Die Aushilfe für den Weihnachtsmann
Eine bebilderte Weihnachtsgeschichte für Erwachsene – Dezember 2008
Es war einmal ein Engel, der dem Weihnachtsmann helfen sollte, die Menschen zu bescheren. Dieser Engel war nach den vielen Jahren, in denen der Weihnachtsmann alles alleine geschleppt hatte, eine grosse Hilfe. Prinzipiell zumindest.
Leider war der Engel recht eigenwillig. Immer kritisierte er den Weihnachtsmann, hatte ständig gute Ratschläge parat, war vorwitzig und wusste am Ende alles und das sogar besser.
Um bei der Wahrheit zu bleiben, der Engel war ein weiblicher Engel mit gelocktem, blonden Haar, wunderschönen Flügeln, die ihn geschwind durch die Luft sausen liessen sowie einem verführerisch-himmlischen Körperbau. Eine Augenweide für den alten Weihnachtsmann, so kurz lautet die Beschreibung. Darum akzeptierte er, murrend zwar, das Verhalten seiner Weihnachtsaushilfe, doch seine Geduld wurde arg strapaziert.
Schliesslich begann der Endspurt, da der Tag für den Gross-Einsatz an Weihnachten immer näher rückte. Der Weihnachtsmann war es Leid, jeden Tag mit neuen Ideen und Vorschlägen konfrontiert zu werden. Und überdies: alle Vorschläge des Engels liefen darauf hinaus, sich die Arbeit zu vereinfachen, aber auch die Tradition zu vernachlässigen. Schneemobil an Stelle von Rentieren, Geschenkpapier von der Rolle statt der guten einzelnen Bögen zum liebevollen Einpacken der Geschenke, die speckigen Stiefel sollten modernen Gummistiefeln weichen, weil die einfacher sauber zu halten wären. Die grosse, schwere Kladde, in der sonst alle Angaben über Geschenke und Beschenkte vermerkt waren, sollte er gegen einen Laptop eintauschen. Das Fass zum Überlaufen brachte der Vorschlag, sich den langen Bart stutzen zu lassen und dafür nur noch einen pflegeleichten 3-Tages-Bart zu tragen – pah, das war alles Mist und würde bei den Menschen zu grosser Verwunderung - oder schlimmer noch zu grosser Verunsicherung - führen.
Da platzte dem Weihnachtsmann die Hutschnur. In seinem Falle hiess das: die Bommelmütze flog in hohem Bogen vom Kopf. Abends nach der beschwerlichen Tour durch Hobbymärkte und Einrichtungshäuser zitierte er den Engel in sein Zimmer und las ihm die Leviten.
Er hatte das schon einige Male zuvor durchexerziert, anscheinend war er dabei jedoch viel zu nachsichtig gewesen, denn seine Worte hatten nicht das Geringste bewirkt. Mitunter meinte er sogar, dass das Verhalten vom Engel von Tag zu Tag schlimmer wurde. Doch heute Abend war es aus mit seiner Geduld. Wenn sich nicht sofort etwas ändern würde, würde er die Brocken hinschmeissen und dann sollten die Menschen sehen, wie sie zu ihren Geschenken kämen.
Nachdem die Rentiere gefüttert und gestriegelt worden waren, sollte der Engel sogleich in seinem Zimmer erscheinen. Der Weihnachtsmann hatte sich an seine Jugendzeit erinnert, wo ein Hinternvoll an der Tagesordnung war und nie geschadet hatte. Dieses Mal sollte der Engel sehr hautnah spüren, was er als Boss im Unternehmen von der Aushilfe erwartete. Wahrscheinlich hatte ihm Petrus den Engel nur zugeteilt, weil Petrus selbst von ihm genervt war und wenigstens ein paar Wochen Ruhe haben wollte. Vielleicht war das auch die Rache für den hohen Sieg bei der letzten Skat-Runde, wo er Petrus richtig ausgezogen hatte. Aber sei es, wie es wolle: der Engel wäre heute Abend fällig und wehe, wenn seine drakonischen Massnahmen nichts fruchten würden.
Zögerlich klopfte der Engel an die Tür vom Weihnachtsmann, aber da niemand „Herein“ antwortete, drückte der Engel vorsichtig die Klinke herunter und betrat den Raum. Der Weihnachtsmann war nicht zu erblicken, doch ein festlich geschmückter, kleiner Weihnachtsbaum mit einem prallen Sack voller Geschenke lehnte am Stamm. Neugierig betrat der Engel das Zimmer und inspizierte das Bäumchen, welches prächtig mit Anhängern verziert war. Fast wollte der Engel schon den Sack öffnen und die Geschenke in Augenschein nehmen. Er wurde durch die tiefe Bassstimme des Weihnachtsmannes unterbrochen und zuckte zusammen, weil er ihn noch nie so hatte sprechen hören.
Der rot gekleidete Weihnachtsmann zitierte den Engel zu sich und hob drohend den Zeigefinger. Dann erfolgte eine Strafpredigt, die sich gewaschen hatte und in der sich der Weihnachtsmann den ganzen Frust von der Seele redete. Der Engel wurde immer kleinlauter und merkte, dass seine Art nicht wirklich angekommen war. Natürlich musste man das Weihnachtsfest und besonders den Part des Weihnachtsmannes neu organisieren. Nicht ohne Grund hatte er doch zig Seminare bei Unternehmensberatern belegt und war mit neuen Vorschlägen zurückgekommen. Aber das war schon bei Petrus so gewesen, als er die Registratur an der Himmelspforte auf ein modernes System, wie es auf amerikanischen Flughäfen bereits seit Jahren erfolgreich im Einsatz war, umstellen wollte. Petrus hatte einen Tobsuchtsanfall bekommen und ungewohnt unhimmlisch geflucht. Immer ereilte ihn dieses Schicksal, dass seine Vorschläge der Zeit voraus waren und er mit alten Knackern, die von Tradition und „so war es früher“ redeten, zusammen arbeiten musste.
Der Weihnachtsmann war noch nicht fertig, doch man merkte, dass er nach der Aufzählung aller Missetaten und Versuche des Engels, Unruhe in den gewohnten Ablauf zu bringen, langsam zur Konsequenz seiner Rede kam. „Du bekommst jetzt gehörig den Hintern versohlt!“, beendete er seine Standpauke. Der Engel wurde blass und bekam zittrige Knie, denn damit hatte er nicht gerechnet.
Er versuchte, ihn zu beruhigen und redete mit himmlisch-weicher Zunge auf ihn ein, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Unbekümmert wie er war, drehte er sein Hinterteil dem Weihnachtsmann entgegen und lüftete das kurze Kleidchen. „Du kannst doch nicht wirklich meinen armen Bäckchen etwas zu Leide tun“, flötete er mit samtiger Stimme. Dabei schob sich das Röckchen noch verführerischer in die Höhe und gewährte dem Weihnachtsmann einen ausgiebigen Blick auf seinen Popo.
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Aktualisiert am:
13.02.2010
/ Autor: STANGERE
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